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Tour 3 - Unterwegs im Jurameer

Unterwegs im Jurameer

Diese kurze, aber reizvolle Radtour ist besonders für Familien, Pflanzenfreunde und Freizeitpaläontologen geeignet. Der Großteil der Radstrecke führt entlang von kleinen Fließgewässern, wie der Lauterach, dem Mühlhausener Bach und dem Wierlbach.

Der Markt Kastl wird von der mächtigen Klosteranlage überragt, die wegen ihrer teilweise doppelten Mauerbefestigung auch als Klosterburg bezeichnet wird. Die Anlage wurde als Benediktinerabtei 1102 durch Bischof Gebhard III. von Konstanz gegründet. Bereits zwei Jahrzehnte später gründeten die Kastler Mönche die Klöster Reichenbach am Regen und Plankstetten. Die Klosterkirche war nach 1235 eine der bedeutendsten Begräbnisstätten des Adels aus dem Nordgau. Eine auffallende und deutschlandweite Besonderheit in der Kirche ist ein Fries mit 69 farbigen Wappen von Stiftern und Gönnern des Klosters. Es wurde nach freigelegten Resten aus dem 14. Jahrhundert 1967 wiederhergestellt.

        

Kaiser Ludwig der Bayer hielt sich in Kastl öfter auf. Seine Tochter Anna († 1319) liegt hier bestattet. Ihre Mumie ist heute noch zu sehen. Auch das Grabmahl von Seyfried Schweppermann († 1337), der Feldhauptmann von Kaiser Ludwig befindet sich in der Klosterkirche.

In Kastl folgt man dem Radwanderweg Nr. 11, am kleinen Heimatmuseum vorbei, in Richtung Hohenburg, der auch den ersten Teilabschnitt des Lauterachtal-Radweges bildet. Wacholderbüsche, blütenreiche und duftende Magerrasen mit seltenen Pflanzen und Tieren, dazwischen immer wieder Kalkstein- und Dolomitfelsen kennzeichnen das idyllische Lauterachtal. Der kleine Fluß ist aufgrund seiner Strömung und seines klaren Wassers bei Forellen sehr beliebt. Wer sich etwas Zeit nimmt, kann viele Wasserbewohner beobachten. Die Felsen sind unter Kletterfreunden bekannt, so dass sich die Farbpalette des Lauterachtales vor allem am Wochenende erweitert.

Dem Radwanderweg Nr. 11 folgend, wird nach einigen Kilometern Mühlhausen und wenig später die Mündung des Saugrabens, einem sehr markanten Trockental (1), erreicht.

Die Route verläuft parallel zum Mühlhauser Bach über Utzenhofen bis nach Umelsdorf. Um diese beiden Orte führt ein landschaftsgeschichtlicher Wanderweg, an dem 21 Tafeln über die Pflanzen- und Tierwelt, die heutige und frühere Landnutzung, Quellen und anderes informieren (2). Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Nach Umelsdorf liegt rechter Hand ein großes Weidegebiet mit einem markanten Dolomitfelsen der Steinernen Jungfrau. Diese Fläche ist altes Hutungsgebiet. Auch heute wird sie wieder regelmäßig mit Schafen beweidet.

Auf den artenreichen Kalkmagerrasen (viel Thymian, Sonnenröschen, Kleines Habichtskraut, Wiesen-Augentrost, Sichelblättriges Hasenohr, Zypressen-Wolfsmilch u.a.) kann im Sommer eine summende, zirpende, hüpfende und fliegende Insektenwelt, wie die seltene Rotflügelige Schnarrschrecke, Zitronenfalter und Bläulinge beobachtet werden.

Ab Wolfersdorf ist der einzige längere Anstieg der Radtour auf die Albhochfläche zu bewältigen. Am Ortsende von Thürsnacht befindet sich rechter Hand eine von Brennesseln umsäumte Doline (3). Im leichten Auf und Ab verläuft der Radweg über Holzheim nach Nattershofen. Die zahlreichen weißen Kalksteine auf den Äckern geben Hinweise auf das Gestein im Untergrund. Durch das Umpflügen der Äcker im Herbst gelangen immer wieder Versteinerungen an die Oberfläche.

Von Nattershofen aus fährt man an Hillohe vorbei nach Lauterhofen. Noch vor dem Ortseingang ist rechter Hand die Zufahrt zum Kalksteinbruch der Firma Trollius, der nur nach Anmeldung betreten werden darf (4). Abgebaut werden die Schichtkalke des Malm beta und gamma, die vor rund 150 Mio. Jahren im

Schelfbereich eines Vorläufers des heutigen Mittelmeeres abgelagert wurden. Das damals herrschende Klima und die Landschaft können heute mit den Bahamas oder Malediven verglichen werden. Lauterhofen wurde 806 in einer Reichsteilungsordnung Kaiser Karls des Großen erstmals erwähnt, war aber sicherlich vorher schon als fränkischer Königshof “Lutrahahof” eingerichtet.

Südwestlich des Ortes, auf einer kleinen Anhöhe, befinden sich Reste einer keltischen Viereckschanze. Leider ist die große Anlage infolge des Ackerbaus größtenteils eingeebnet.  In Lauterhofen trifft man auf den, von Neumarkt nach Amberg führenden, Schweppermann-Radweg. Die Route verläuft nun entlang der Lauterach, vorbei an der Hansmühle zur Hadermühle (5). Unmittelbar danach liegt linker Hand ein aufgelassener kleiner Steinbruch im Übergangsbereich der Schichten des Malm beta zu Malm gamma. Die sehr gute Bankung wird durch Wechsellagerung von Kalkstein und Mergeln hervorgerufen. In den Mergellagen findet man noch einige Fossilien wie Ammoniten, Brachiopoden, Belemniten, Muscheln, um nur die wichtigsten zu nennen. Die graugrünlichen Mergelbrocken im Steinbruch stammen unmittelbar aus dem Grenzbereich der oben genannten Malmschichten.

Etwa 1 km weiter bei der Schlögelsmühle verzahnen sich die Kalke des Malm beta mit den dolomitisierten Schwammrasenbänken und kleinen Schwammriffen des Kastler Riffzuges (6). Dieser Abschnitt ist Teil eines riesigen Riffzuges, der sich aus heutiger Sicht von Bayreuth bis in die Nähe von Salzburg erstreckte. Lauterachabwärts sieht man ständig kleinere und größere dolomitisierte Schwammriffstotzen, die altersmäßig von Malm beta bis Malm delta reichen.

Oberhalb von Pfaffenhofen liegt auf einem steilen Fels die Ruine der Schweppermannsburg. Hier haben sich die Söhne des berühmten Seyfried Schweppermann zwischen 1330 und 1353 aufgehalten. Die Burg fiel zu Beginn des 16. Jahrhunderts und nochmals im 30-jährigen Krieg in Schutt und Asche. 1692 wurde die Anlage zwar wieder aufgebaut, verfiel aber im Laufe der Zeit und diente ab Mitte des 19. Jahrhunderts der Bevölkerung als Steinbruch. Erst die Übernahme durch den bayerischen Staat rettete die Burg vor dem endgültigen Verfall. Heute werden die Räumlichkeiten von der Sektion Amberg des Deutschen Alpenvereins genutzt.

Von Pfaffenhofen bis zum Ausgangspunkt Kastl ist es nur noch ein Katzensprung.

Start und Ziel: Kastl

Anfahrt: B 299

Länge und Dauer: 27 km, Halbtagestour

Einkehrmöglichkeiten: Lauterach, Utzenhofen, Lauterhofen, Brunn, Pfaffenhofen, Kastl

Tipp: Oberpfälzer Heimatmuseum in Kastl, Hohenburger Str. 44, April bis Ende Oktober, jeden 1. Sonntag im Monat von 13-17 Uhr und nach Vereinbarung, Führungen für Gruppen ab 15 Personen, Familie Weiß (Tel.: 09625/91173)

Karten: Radwanderkarte des Landkreises Amberg-Sulzbach, 1:50.000; Freizeitkarte des Landkreises Amberg-Sulzbach, 1:75.000; Kompass-Wanderkarte Nr. 173: Amberger Umland, 1:50.000.