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Tour 11 - Zur einzigen Bolusgrube in Deutschland

Start und Ziel dieser Radtour ist Auerbach. Der Ortsname Auerbach lässt sich vermutlich von Auerochsen am Bach ableiten. Urkundlich wird Auerbach 1119 zum ersten Mal erwähnt.

Die Radtour führt zunächst in Richtung Ohrenbach. Am nördlichen Ortsrand von Auerbach ist auf der rechten Seite die Schachtanlage der Grube Leonie zu sehen. Diese Grube wurde nach 10 Jahren Eisenerzförderung 1987 stillgelegt. Heute bilden die “Grubenfelder Leonie” ein Naturschutzgebiet von etwa 90 ha (1). Durch den Untertageabbau von Eisenerz entstanden Einbrüche und trichterförmige Gruben, sogenannte Pingen. Bis heute ist es verboten das Gelände außerhalb der Wege zu betreten.

Auf nassen, trockenen, mageren und nährstoffreichen Böden konnten sich die verschiedensten Lebensräume v. a. für seltene Tiere (Vögel, Amphibien, Insekten) mit landesweit bedeutenden Vorkommen entwickeln. Zu den gefährdeten Arten zählen z. B. Eisvogel, Braunkehlchen, Kammmolch und Gelbbauchunke. Auf Höhe des Eichelberges verläuft die Straße an einem Waldgebiet entlang. Hier befindet sich auf der rechten Seite ein unscheinbarer Aufschluss im Auerbacher Kellersandstein (2). Dieser Sandstein ist mit seinen ca. 80 Mio. Jahren die jüngste Ablagerung der Kreidezeit in der nördlichen Oberpfalz. Seine typischen Merkmale sind am Ende der Radtour, westlich von Auerbach, besser zu erkennen (8).

Die Straße nach Ohrenbach verläuft an Reichenbach vorbei. Dieser schon um 1300 erwähnte Weiler wurde aus dem Erzabbaugebiet in den 1970er Jahren hierher umgesiedelt.

Nördlich von Ohrenbach radelt man an einer schönen Wacholderheide am Sauer-Berg vorbei. Rechts der Straße konnten sich Kalktuffe ausbilden. In der Übergangszone des Dogger zum Malm trat im Quellbereich karbonatreiches Wasser aus. Pflanzen entzogen dem Wasser Kohlendioxid. In dem ausgefällten Kalk wurden Weichtiere, z. B. Schnecken, gefunden. Leider verdeckt eine Wiese dieses Vorkommen.

An der nächsten Straßenkreuzung fährt man links nach Steinamwasser. Dieser versteckt gelegene, kleine Ort wird von großen Dolomitfelsen überragt (3). Hinter dem Gasthof “Zum Mittler” sind Reste einer ehemaligen Burganlage zu entdecken. In Steinamwasser fließen Ortles- und Goldbrunnenbach zusammen und als Flembach weiter nach Michelfeld.

Am nördlichen Ortsende stand einmal ein Eisenhammer und später eine Farbmühle, die aus dem Rohmaterial Farberde feines Mehl herstellte. Bolus oder auch Rötel ist eine rote Farberde, die seit Jahrhunderten abgebaut und als “Nürnberger Rot” gehandelt wurde. Im gesamten Gebiet dieser Radtour wurde an verschiedenen Stellen Bolus gewonnen. Eine besonders gute Qualität hatte der 2,5 m mächtige Rötelhorizont bei Gunzendorf .

Die Radtour führt durch Steinamwasser in Richtung Norden, über eine Kuppe, zweigt rechts ab und überquert nach einer Kreuzung den Goldbrunnenbach. Vom Goldbrunnenbachtal steigt das Gelände nach Gunzendorf stark an. Weiter geht es nach Troschenreuth über eine mehr oder weniger stark ansteigende Strecke.

Der Goldbrunnenbach verläuft von Gunzendorf bis zur Birklmühle auf den wasserstauenden Schichten des Opalinustones, der im unteren Dogger, vor etwa 180 Mio. Jahren, abgelagert worden ist. Die Talsohlen über dem Opalinuston sind meist sehr sumpfig. Hier konnten auch kleine Torfmoore entstehen.

An der Espamühle wurde früher Eisenocker abgebaut, der in den Torflagen vorkam. Diese Gunzendorfer Vitriolerde – eine Eisen-Schwefel-Verbindung – enthält auch Nickel. Sie gelangte unter der Bezeichnung Umbra und Potée in den Handel. Bei Ligenz stand am Goldbrunnenbach ein Eisenhammer, der bereits in der Hammereinungsurkunde von 1387 genannt ist.

Das unterschiedliche Gestein im Untergrund wird am Verlauf des Goldbrunnen- und Flembachs deutlich: nördlich der Espamühle, auf dem bereits erwähnten Opalinuston, mäandriert der Bach deutlich weniger. Von der Espamühle bis Michelfeld muss sich der Bach seinen Lauf durch den widerstandsreicheren Frankendolomit bahnen. Daher fließt der Bach hier in wesentlich stärkeren Mäandern.

In Troschenreuth fährt man nach der Kirche rechts in den Lettenweg und bei einem großen Stadel links auf den Feldweg. In einer leichten Geländesenke befindet sich Deutschlands einzige noch in Abbau befindliche Rötelgrube (4).

Intensiv rote Tone wurden um Troschenreuth schon an verschiedenen Stellen gewonnen. Abnehmer der weißen, gelben und vor allem roten Farberde saßen im Bayreuther, Bamberger und Würzburger Raum.

Die Rötelerde färbt so stark, dass rote Flecken auch nach zehnmaliger Wäsche noch in der Kleidung erkennbar sind!

Nach der Grube radelt man an einem Teich und Wald vorbei, zurück nach Troschenreuth. Kurz vor Neuhof beginnt die Abfahrt nach Hainbronn. Dabei biegt man etwa auf Höhe einer Kompostieranlage links auf die Teerstraße.

Wer Lust zu einem kleinen Umweg hat, radelt geradeaus nach Pegnitz und folgt dort den Wegweisern zum Bahnhof. Von der Kreuzung (Bahnhofstraße/Pfarrer-Dr.-Vogl-Straße) fährt man etwa 1 km geradeaus und biegt dann rechts in die Bergwerkstraße. Nach wenigen Metern liegt linker Hand der Wertstoffhof. Auf dem Gelände befindet sich der ehemalige Zugang zum Grubenfeld Erwein der Zeche “Kleiner Johannes” (heute Industriedenkmal, Besichtigung sehr empfehlenswert) (5). In dieser Zeche wurde von 1869 bis 1967 Eisenerz gefördert. 1927 übernahmen die Maxhütte und der Freistaat Bayern den “Kleinen Johannes”. Etwa 600 Bergleute aus Sachsen und dem Saarland fanden hier Arbeit und haben sich in Pegnitz niedergelassen. Bei der Stilllegung 1967 gingen rund 400 Arbeitsplätze verloren. Im Unterschied zu den Amberg-Sulzbach-Auerbacher Kreideerzen liegen die Pegnitzer Erzflöze im Doggersandstein und sind etwa 170 Mio. Jahre alt. Der durchschnittlich 2 m mächtige Hauptflözhorizont ist aus mehr oder weniger sandigen Eisenoolithbänken mit sandig-tonigen Zwischenlagen aufgebaut. Die Eisenoolithbänke bestehen aus kugelig geformten, 0,15 - 0,3 mm großen Brauneisenerzooiden, die durch ein eisenhaltiges (Siderit, Chamosit und Goethit), aber auch durch toniges Bindemittel verkittet sind. Das Eisen stammt aus festländischer Verwitterung und wurde zusammen mit klastischem Material, d. h. Sand und Ton ins Meer verfrachtet und dort durch komplexe Vorgänge als Eisenhydroxid ausgefällt und abgelagert.

In Hainbronn fährt man die Pegnitztalstraße hinunter, bis am südlichen Ortsende rechter Hand die kleine Straße “Zechthof” abzweigt. Hier befindet sich eine Farbmühle, die noch bis 1982 in Betrieb war (6). Eine teilweise rot eingefärbte Fassade kennzeichnet das Gebäude.

Von der Farbmühle kehrt man ein kurzes Stück Weg zurück, biegt rechts ab zur Brunnbachquelle und strampelt dann nach Reisach hinauf.

Über Penzenreuth führt die Tour nach Nasnitz. Bereits 1119 wird der Ort als Nuseze erwähnt. Nach alter Überlieferung bedeutet der Name “Zum neuen Sitz”. Nasnitz gilt als Mittelpunkt der Farberdegewinnung des 19. Jahrhunderts im Raum Auerbach.

Eine geologische Besonderheit gibt es bei Pferrach (7). Auf einer Höhe von 450 m befinden sich Flussschotter der Urpegnitz. Hier floss ursprünglich einmal die Pegnitz, deren Flussbett mittlerweile 50 m tiefer, nämlich auf etwa 400 m verläuft. Ab Pferrach, treten Fremdquarze auf, die im Schotter am Zufluss des Flembachs noch fehlen.

Der Bamberger Bischof Otto der Heilige gründete 1119 das ehemalige Benediktinerkloster Michelfeld. Das Kloster wurde durch Kriege mehrmals verwüstet, u. a. durch die Hussiten (1429) und 1634 durch die Schweden. Die Befestigungsanlagen stammen noch aus dem 15. Jahrhundert. Zwischen 1685 und 1695 erfolgten einige Neubauten nach Plänen von Georg und Wolfgang Dientzenhofer. Dazu gehört die heutige Pfarrkirche St. Johannes Baptist. Fresken, Gemälde und Plastiken stammen von den Brüdern Cosmas Damian und Egid Quirin Asam.

Eine wichtige Einnahmequelle der Michelfelder Mönche waren die Eisenhämmer Fischstein, Unterer Plechhammer (heute Hämmerlmühle), Ziegelmühle, der spätere Staubershammer. Auch von den Hämmern Rauhenstein und Steinamwasser flossen Abgaben in die Klosterkasse. Am Ortsausgang von Michelfeld folgt man dem Radweg Nr. 1 des Landkreises Amberg-Sulzbach. Kurz vor Auerbach ist auf der linken Seite der schönste Aufschluss im Auerbacher Kellersandstein zu sehen (8). Die zahlreichen in den Sandstein gebauten Keller gaben dem Gestein seinen Namen. Der ockerfarbene bis rotbraune Sandstein erweist sich bei näherer Betrachtung als sehr schlecht sortiert, d. h. die Korngröße variiert von sehr fein bis sehr grob. Stellenweise sind auch cm-große Gerölle enthalten. Auffallend ist die Schrägschichtung im Gestein. Diese beiden Merkmale weisen auf einen Ablagerungsbereich mit starker Wasserbewegung hin, wie z. B. Rinnen im Deltabereich.

Start und Ziel Auerbach

Anfahrt: B 85 von Amberg oder von der A 9, Ausfahrt Pegnitz/Grafenwöhr; Parkmöglichkeit am nördlichen Ortsrand von Auerbach an der Degelsdorfer Straße in Richtung Ohrenbach

Länge und Dauer: 26 km (ohne Abstecher nach Pegnitz), Halbtagestour

Einkehrmöglichkeiten: Steinamwasser, Gunzendorf, Troschenreuth, Pegnitz, Hainbronn, Michelfeld, Auerbach

Tipp: Abstecher nach Pegnitz (Marktplatz, Pegnitzquelle, Aussichtsturm am Schlossberg, Schaustollen Grube Erwein)

Karte: Topographische Karte mit Radwanderwegen: Naturpark Fränkische Schweiz - Veldensteiner Forst, 1:50.000