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Tour 17 - Tour de Kaolin

Kaolin, das “weiße Gold der Oberpfalz”, hat seinen Namen nach dem Berg Kauling in China. Kaolin ist ein weißer Ton, der bei der Verwitterung feldspatreicher Gesteine (vor allem Granit, Gneise und feldspathaltige Sandsteine) entsteht. Die Kaolinlagerstätten im Hirschau-Schnaittenbacher Revier werden seit 1833 abgebaut und zählen neben den Vorkommen bei Tirschenreuth zu den größten Deutschlands. Die Lagerstätte liegt im Mittleren Buntsandstein und ist bis zu 60 m mächtig. Vor etwa 240 Mio. Jahren kam es zur Ablagerung feldspatreicher Sande, die ihrerseits aus der Verwitterung von Graniten der näheren Umgebung stammen. Aus den Feldspäten bildeten sich Tonminerale, im wesentlichen Kaolinit. Das Rohmaterial – ein Gemisch aus Feldspat, Quarz und Kaolin – weist einen Kaolingehalt von 10 bis 20 % auf.

Der Großteil des gewonnenen Kaolins wird heute vor allem als Füllstoff in der Papierindustrie eingesetzt. Daneben ist Kaolin ein wichtiger Rohstoff für die Porzellan- und Keramikindustrie sowie in der chemisch-technischen Industrie als Zusatz bei der Kunststoff- und Farbenherstellung.

Bei der Kaolinaufbereitung fallen große Mengen von Quarzsand an. Bestes Beispiel für das Nebenprodukt beim Kaolinabbau ist der “Monte Kaolino”, der aus Quarzsand besteht und als markantes Wahrzeichen der Stadt Hirschau weithin sichtbar ist.

In Schnaittenbach folgt man den
Wegweisern nach Kohlberg, Vilseck sowie zum Sportzentrum und trifft dabei auf den Landkreis-Radrundweg Nr. 4. Man fährt aus der Hirschau-Schnaittenbacher Senke bergauf durch die immer jünger werdenden Schichten des Keupers. Kurz vor Kindlas durchquert man eine kleine Senke, in der parallel zum Waldrand eine Teichkette angelegt ist. Dies ist eigentlich nichts besonderes, würde nicht die Fortsetzung der Luhe-Linie (siehe Touren 21 und 22) hier entlang verlaufen. Der Kohlberger Höhenzug jenseits dieser Störung wird überwiegend aus den sandigen Gesteinen des Perm (Rotliegend) und der unteren Trias (unterer Buntsandstein) aufgebaut.

Kurz nach Kindlas verlässt man den Radweg Nr. 4 und kämpft sich erst den Berg hinauf, bevor es steil hinunter zur Hummelmühle geht. Über Obersteinbach gelangt man nach Massenricht. Bei guter Fernsicht sollte unbedingt ein Abstecher hinauf zum Rödlaser Turm gemacht werden. Leicht bergab geht es weiter in Richtung Freihung. Aber Achtung, kurz bevor auf der rechten Seite der Wald beginnt, zweigt in einer leichten Rechtskurve ein befestigter, geschotterter Feldweg nach rechts ab! Diesem folgt man, ohne groß in die Pedale treten zu müssen, durch das sogenannte Schützenholz. Bald darauf wird eine große Grube erreicht, in der Feldspatsande abgebaut werden (1).

Alter und Entstehung dieser Lagerstätte sind vergleichbar mit den Vorkommen bei Hirschau-Schnaittenbach. Der große Unterschied besteht im Grad der Kaolinisierung, der nach Norden hin stark abnimmt, so dass im Schützenholz der ebenfalls wichtige Rohstoff Feldspat gewonnen wird. Dieser findet hauptsächlich in der Glas-, Baukeramik- und Porzellanindustrie Verwendung. Vorkommen dieser Art werden auch als Pegmatitsande bezeichnet.

Nach wenigen hundert Metern tauchen plötzlich Hinweisschilder mit der Aufschrift “Bergwerksgelände. Betreten verboten” auf. Sie gehören zu den wenigen Überresten des Freihunger Bleierzbergbaus (2). Die Bleierz-Lagerstätten treten im Benkersandstein (unterer Keuper) auf. Hier besteht nach wie vor das größte und bekannteste Bleierzvorkommen in ganz Bayern, dessen Abbau heutzutage allerdings als unrentabel einzustufen ist. Die bleierzführenden Schichten sind bis zu 25 m mächtig. Entlang der Freihunger Störungszone, also durch nachträgliche tektonische Verbiegungen und Schichtschrägstellungen, wurden die Bleierze angereichert und treten teilweise über Tage auf.

Der Beginn des Bleibergbaus bei Freihung lässt sich erstmals in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts nachweisen. Das Freihunger Wappen von 1569 mit Schlägel und Eisen erinnert an die große Bedeutung des Bleierzbergbaus. Auch Waldflurbezeichnungen wie Schmelzschlag, Beim Stollen und Stollenbrunnen, sowie über 100 Schachtpingen, Halden der Bleiwäsche, Schlacken, Schmelzofenreste und Schürfgruben im nahe gelegenen Truppenübungsplatz Grafenwöhr erinnern noch an den früheren Bergbau. Wassereinbrüche und die Auswirkungen des 30-jährigen Krieges führten im 17. Jahrhundert zum ersten Niedergang im Bleierzbergbau. Die letzte bedeutende Phase des Bergbaus war während des 2. Weltkrieges und endete 1945.

In Elbart befand sich das Wohnhaus des Bergwerkdirektors und die Arbeiterkolonie Vesuv. 1884 waren hier über 400 Arbeiter beschäftigt. Nach Freihung trifft man auf den Vilstal-Radweg, der vilsaufwärts nach Seugast führt. Kurz nach dem Sportplatz zweigt linker Hand ein Weg ab. Vorbei am Trafohäuschen wird nach etwa
1 km der erste von vielen aufgelassenen Steinbrüchen im Seugaster Werksandstein (3) erreicht (siehe Tour 14).

Der Weg führt durch einen Kiefernwald bis zur Straße Großschönbrunn - Ehenfeld. Bei Trockenheit fährt man geradeaus durch den Wald bis zur Straße nach Hirschau (bei feuchter Witterung empfiehlt sich der Umweg über Großschönbrunn). Etwa 1,5 km südöstlich Großschönbrunn befindet sich der Zugang zu einer Sandgrube, die durch ihre Farbenprächtigkeit beeindruckt (4). Hier wird gelegentlich der äußerst feine Sand für die Glasindustrie gewonnen. Aus geologischer Sicht sind diese Glassande Zersetzungsprodukte des ca. 170 Mio. Jahre alten Doggersandsteins (siehe auch Tour 14).

Nach Hirschau rollt das Rad fast von alleine. Jetzt hat man die Qual der Wahl: entweder auf direktem Weg zurück nach Schnaittenbach oder vorher doch noch an den Kaolingruben (5 und 8) und am Monte Kaolino vorbei. Etwas anstrengender aber lohnenswert, ist der Abstecher bzw. die kleine Runde über Kricklhof und Weiher.

Nach dem letzten Haus in Kricklhof geht rechts ein Feldweg ab. Es ist ratsam das Rad zu schieben oder im Ort abzustellen. Erst leicht bergauf folgt man dem zweiten Feldweg nach links, der auf gleicher Höhe bleibend durch das ehemalige Steinbruchgelände verläuft (7). Hier wurde noch bis in die 1960er Jahre Granit gebrochen. Geologen kennen dieses Vorkommen, da im östlichsten Steinbruch der Kontakt zwischen Granit und den darüber liegenden Sedimentgesteinen zu sehen ist. Leider wird dieser Aufschluss in der Vegetationsperiode schwer zugänglich. Wer aber Brennesseln und stachelige Rosengewächse nicht scheut, kämpfe sich in die nordöstliche Ecke des ersten, links vom Weg gelegenen Steinbruchs vor. Hier liegen bis zu 1 m mächtige Gesteine der Rotliegendzeit direkt auf dem ca. 20 cm tief vergrusten Granit. Die Sedimentgesteine bestehen aus Granitbruchstücken, Quarzsand und grusigem Grundgebirgsmaterial und werden von dunkelroten Karneolbändern durchzogen. Karneol ist eine mikrokristalline Varietät von Quarz. Am besten aufgeschlossen ist der fein- bis mittelkörnige Granit im westlichsten Steinbruch. Das Gestein ist meist rötlich, aber auch gräulich gefärbt und besitzt durch die dunklen Glimmerschüppchen ein gesprenkeltes Aussehen. Vereinzelt sind größere Feldspäte zu erkennen.

Man geht am besten den gleichen Weg wieder zurück, schwingt sich auf den Sattel und fährt oder schiebt in südlicher Richtung weiter. Bei einem Marterl angekommen, entschädigt die schöne Aussicht auf die Hirschau-Schnaittenbacher Senke und den Kohlberger Höhenzug für die vorangegangene Mühe.

In Weiher bieten sich erneut zwei Möglichkeiten. Der eine Weg führt über Hirschau nach Schnaittenbach oder man folgt dem Radrundweg 4a, der allerdings mit einer äußerst unangenehmen Abfahrt (steiler, geschotterter Weg) direkt nach Schnaittenbach führt.

Start und Ziel: Schnaittenbach oder Hirschau

Anfahrt: B 14

Länge und Dauer: 37 km, Halbtages- bis Tagestour

Einkehrmöglichkeiten: Rödlaser Berghütte, Massenricht, Freihung, Hirschau, Schnaittenbach

Karten: Radwanderkarte des Landkreises Amberg-Sulzbach, 1:50.000; Freizeitkarte des Landkreises Amberg-Sulzbach; Fritsch-Wanderkarte Nr. 73: Naturpark Hessenreuther und Manteler Wald, 1:50.000